Blogger Portrait

Wildicate On A New Track

Ich schwieg, ein ganzes Jahr über. Sogar etwas darüber. Hier und wenigstens die ersten Wochen vollkommen. Denn es fühlte sich nicht mehr richtig an, irgendwo hatte ich es verloren und wusste noch nicht einmal was. Deshalb nahm ich die Finger von den Tasten. Und schwieg.
Ich schrieb nicht mehr für mich, wenigstens kaum noch. Weil ich dachte, dies und jenes tun zu müssen, für jeden anderen da draußen. Für jeden, nur nicht für mich. Denn alles andere würde ja sowieso nicht ankommen, nicht gelesen werden. Weil mir Social Media und unsinnige Selbstzweifel diesen ätzenden Virus infiltrierten, der mich hier nicht mehr glücklich werden ließ, sondern nur noch frustrierte und mich auf ein Teufelskarussell jagte, das schneller und schneller zu werden drohte. Ich hatte Spaß und Muse und all meine Worte verloren. Also zog ich die Notbremse und baute einen Damm, wo keiner hingehörte. Denn was ich tat, war ganz einfach aufzuhören, zu schreiben. Ich gab auf, entriss dem Herzen das Zepter und reichte es dem befangenen Kopf.

Bis sich tobendes Wasser derart anstaute, dass es fast weh tat. Ein brausendes Durcheinander, das sich durch jede Faser meines Körpers schlug und ich war unfähig, Ordnung hinein zu bringen, die Oberhand zu ergreifen. Das sollte weiter gehen so lange, bis schließlich der Damm brach, einfach so. Und ich endlich endlich wieder zu Stift und Papier griff. Und wie durch Zauberhand floss das Durcheinander in Worte, legte sich in Formen und die Buchstaben tänzelten so lange umeinander, bis sich wieder Melodien ergaben. Ich sehnte mich nach einem Neuanfang.
Wie hätte ich dies begreifen sollen, ohne jemals danach gefragt zu haben?

Also glaube ich, dass das notwendig war. Notwendig, um zu finden, was ich zuvor nicht gesucht hatte. Um abseits des Internettrubels meinen eigenen Pfad anzulegen, denn meine Stiefel waren nie geeignet gewesen für die breitgetretenen Straßen, die sich mir zuvor im Social-Media-Universum zu bieten schienen. Bis mich jener schmale Weg, den ich mir möglicherweise nur mit ein paar Wenigen teile, wieder hierherführte. Denn den Blog zu löschen, das habe ich nicht übers Herz gebracht. Ich meine, nicht ein einziges Mal ernsthaft darüber nachgedacht zu haben. Zwar war ich nie sicher, wie lange die Auszeit währen würde, doch hatte es mir recht schnell wieder in den Fingerspitzen gekribbelt. Erst ganz leise, dann immer lauter, stärker. Aber diesmal wollte ich es auf die richtige Art machen. Richtig für mich. Und niemals niemals wieder möchte ich einfältig genug sein, um von meinen Leidenschaften abzulassen, für Belangloses, eine Laune, einen Zweifel.

Die neuen Kategorien Personal, Poetry und Fictional mögen bereits Vorboten sein – das alles hier möchte ich nun anders angehen als zu Beginn, nämlich auf meine Weise. Für mich. Denn wenn fake it till you make it tatsächlich die erste goldene Regel auf dem Pflaster der Bloggerwelt ist, an dessen Beton ich mir vorheriges Jahr beinahe die Zähne ausgebissen hätte, weil sich das, was ich am liebsten auf der Welt tue und dringlich für mich selbst brauche, mit Nichten damit vereinbaren lässt, dann bin ich herzlich zufrieden damit, hier zu bleiben und auf mein Stück vom großen Kuchen zu verzichten. Nur hier, in meinem eigenen Reich, wo ich quasi tun und lassen kann, was ich möchte und mich keiner Diktatur der Künstlichkeit zu beugen habe. Und wem auch immer gefallen mag, was sich an diesem Ort hier abspielt, ist herzlich eingeladen, daran teilzuhaben.

2 Comments

  • Reply Mihaela 20. September 2017 at 16:38

    Soo toll geschrieben! Wirklich schön, dass du wieder angefangen hast zu schreiben! ☺️

    • Reply Joana Catarina 20. September 2017 at 16:41

      Danke liebe Mihaela! Das bedeutet mir viel 🙂

    Leave a Reply