Was ich vergangene Woche gelernt habe

IMG_4681bbEhrlichkeit ist gut. Und ungemein wichtig. Aus Höflichkeit zu lügen mag gut gemeint sein, aber richtet letztendlich wesentlich größeren Schaden an, als den Mund aufzumachen. Die Wahrheit zu sagen. Ich will, dass meine Freundin mir erzählt, dass der süße Typ an der Bar eine Menge Dreck am Stecken hat, wenn sie davon weiß. Und wenn ich noch so hingebungsvoll von jenem vermeintlichen Mr. Charming schwärme. Und dass man mir sagt, dass meine Hose einen dicken Fleck am Hintern hat – selbst wenn wir uns in Mitten einer tanzenden Meute meilenweit weg von der nächsten Möglichkeit, das Outfit zu wechseln, befinden. Und dass meine Mädels mir beichten, dass die gelbe Bluse meinen Teint nicht schmeichelt, und wenn ich noch so hin und weg von diesem fabelhaften Schnitt bin. Rot steht dir viel besser. Das ist in Ordnung. Das ist gut so. Das ist unentbehrlich für eine aufrichtige Freundschaft, essenzielle Zutat für eine gesunde Beziehung. Nur gibt es einen Haken. Ehrlich bewegt man sich stets auf dünnem Eis. Bloß nicht zu fest treten! Sonst bricht es.  Wer ehrlich ist, braucht eine Menge Mut in der einen Hand – in der anderen benötigt es eine ordentliche Portion Empathie. Das Wesentliche auf den Tisch packen. Den Kern nicht in rosaroten Tüll einwickeln und mit Glitzer bestreuen – aber dennoch die Schleife nicht vergessen. Der Mensch und das Gefühl dahinter darf nicht übersehen werden. Unter gar keinen Umständen. Denn einen zähnefletschenden Hund will niemand streicheln. Und auf einen Freund, der nur zu meckern hat und keinen positiven Bezug auf die eigene Person zu finden scheint, möchte man ebenso verzichten. Denn wenn ich neulich mein Instagram geupdatet habe und der vermeintliche Freund mir Tage später völlig aus dem nichts heraus eröffnet, meine Haut wirke auf den neuen Bildern schrecklich blass und meine neue Haarfarbe verstärke die fahle Wirkung meines Teints lediglich, möchte ich das nicht hören. Und wenn „Freund“ in regelmäßigen Abständen ganz unvermittelt damit herausplatzt, ich sei so schrecklich zerbrechlich und trüge keine Spur Widerstandsfähigkeit und Schlagfertigkeit in mir, dann ist das respektlos und kilometerweit entfernt von jeglicher gesunder, gut gemeinter Ehrlichkeit – und lass das nur zwei Beispiele von unzähligen abwertenden Bemerkungen gewesen sein. Und dann zeigt das außerdem, dass jene Person mit diesem schrecklich unverschämten Grinsen im Gesicht ohne die leiseste Spur von Empathieempfinden rein keinen blassen Schimmer über meine Person, mein Leben, meine Gefühlswelt hat. Denn das bin ich nicht. Und ich möchte mich nicht mit Menschen umgeben, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, an mir und dem Rest der Welt unaufhörlich herumzumeckern. Die mit verbalen Ohrfeigen anstatt gutgemeinten Ratschlägen und konstruktiver Kritik um sich werfen. Eigene Ansichten zu pflegen ist ungemein wichtig. Und Meinungsvielfalt erst recht. Aber manchmal ist es nun mal besser, seine Worte zweimal oder sogar dreimal zu überdenken, bevor man den Mund aufmacht. Denn ungefragt mit der eigenen Meinung auf seine Mitmenschen zu feuern kann gehörig ins Auge gehen. Und dabei ist es völlig egal, ob man den Lauf des Gewehres direkt an die Stirn des gegenwärtigen Opfers hält oder hinter dessen Rücken auf jene Person zielt. Denn bricht das Eis, dann fällt man. Findet sich in eisigem Dunkel wieder. Und das völlig alleine.
Vergangene Woche habe ich gelernt, dass Ehrlichkeit essenziell ist. Für das Miteinander, für Freundschaft. Aber nicht minder wichtig sind Empathie und Respekt. Und das will ich nicht durch bebende Anklagen und tränendurchwobene Diskussionen erreichen müssen. Denn kein Gebäude der Welt wurde von oben herab gebaut. Das Fundament muss stimmen. Das will ich von meinen Liebsten erwarten und weiß auch, dass ich das kann. Und wer seinen Mitmenschen diese unentbehrlichen Selbstverständlichkeiten nicht entgegenbringen kann, der hat verloren. Denn dazu will ich Nein sagen. Und das in Zukunft noch ein bisschen lauter. Negativen Energien den Rücken kehren und ganz schnell weglaufen. Es mag sein, dass bellende Hunde nicht beißen – aber streicheln möchte ich sie trotzdem nicht. Und daran will ich auch mich selbst in jedem Moment erinnern. Mut in der einen Hand – Empathie und Respekt in der anderen. Und niemals niemals los lassen.

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1 Comment

  • Reply Michelle 20. November 2015 at 9:52

    Wunderbar geschrieben, ich sehe das mit der Ehrlichkeit genauso – leider ist das wirklich selten.
    Ich finde diese Haarfarbe sieht umwerfend aus, viel besser als blond! Darf ich fragen mit welcher Farbe du gefärbt hast/gefärbt wurde? 🙂

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