Du bist jetzt nun mal erwachsen

IMG_5792bb„Wie findest du das? Kann ich das so anziehen?“, frage ich unschlüssig und versuche, ihren kritisch inspizierenden Blick zu deuten. Ihre dunklen Augen tasten mich von oben bis unten ab, kommen schließlich zum Stillstand. Sie hebt ihren Blick, sieht mir in die Augen – lächelnd. „Ich find’s sehr erwachsen. Aber das passt zu dir, sieht echt gut aus. Nur für mich wär’s halt nichts.“, stellt sie fest. Ich blicke an mir herunter, zweifelnd, versuche, mich durch die Augen meiner jüngeren Schwester zu betrachten. Das war mir gar nicht aufgefallen – aber sie hat schon recht. Irgendwie ist das schon erwachsen. Und so gefalle ich mir, keine Frage. Aber trotzdem hat dieses irgendwie steife Wort einen bitteren Beigeschmack – für mich. 

Beige und schwarz und weiß – ein stilles Farbensemble, das auf mich oft sehr clean, seriös, erwachsen wirkt. Eine Kombination, die ich neulich zu einem Vorstellungsgespräch trug. Und nun für meinen nächsten Outfitpost, ohne einen Gedanken daran zu verlieren, aus dem Schrank fischte. Weil es mir gefiel. Du bist jetzt nun mal erwachsen. Ein Satz, der mir in letzter Zeit so oft zu Ohren kam. Ein Satz, gegen den ich mich manchmal mit Händen und Füßen wehren möchte. So weit wegtreten will, dass ich ganz ganz lange Zeit nicht mehr darüber stolpern muss. Das hat angefangen mit der Volljährigkeit. Achtzehn. Autofahren und viel mehr Eigenverantwortung, irgendwie, über Nacht. Dann der Umzug. Veränderung. Selbstständigkeit! Erwachsenendinge. Einkaufen, putzen, Wäsche waschen. Alltag und so viele Pflichten. Dinge, die erledigt werden müssen. Oder erledigt werden sollten. Zum Geburtstag gibt’s jetzt Bratpfanne statt Lidschattenpalette, zu Weihnachten Ikea-Gutscheine statt Konzertkarten. Und jetzt bin ich schon neunzehn und bereits nächstes Jahr räumt die jugendliche Eins ihren Platz. Für die Zwei. Zwanzig. Und dann bin ich offiziell kein Teenager mehr. Dann bin ich vollkommen erwachsen. Und dann gibt’s kein Zurück mehr. Aber – bin ich das wirklich? Einfach so?
Vernunft. Selbstbeherrschung. Disziplin. Verantwortungsbewusstsein. Eigenschaften, die ich mir angeeignet habe, musste. Die in mir gewachsen sind. Und nun zu mir gehören. Aber doch längst nicht immer! Manchmal bin ich unvernünftig, will mit dem Kopf durch die Wand. Verliere die Nerven wegen Kleinigkeiten und hab dann auch keine Lust mich zusammenzureißen. Verliere mich in Serienmarathons, verbringe einen ganzen Tag im Bett mit Schoki und Nate Archibald, ohne dass mich das schlechte Gewissen plagt. Gehe ohne Einkaufszettel in den Supermarkt und werfe kopflos lieber Chips als frischen Salat in den Wagen – das geht schon so. Und ich singe und tanze die halbe Nacht durch, für mein Leben gern. Spüre auf Konzerten mein Herz flattern und stimme in das Teenie-Gekreische mit ein, wenn mein Lieblingssänger auf der Bühne seine Show abliefert. Vielleicht bin ich ja schon ein bisschen erwachsen. Aber irgendwie fühl ich mich noch nicht so recht danach. Habe mich nicht über Nacht in einen anderen Menschen verwandelt, die jugendliche Leichtigkeit abgelegt und achtlos in eine staubigen Kiste gesperrt. Die überschwänglichen Teenager-Gefühle einfach so über Bord geworfen.Das will ich auch nicht, niemals. Diese Schätze will ich mir beibehalten, ganz egal, wie erwachsen ich werde. Ich will, ich muss freches Grün nicht durch elegantes Rot ersetzen. Unbeschwertes Mädchenrosa durch stilvolles schwarz. Ich will, ich muss das Gemälde nicht durch ein anderes ersetzen. Mich von wunderbaren Farben verabschieden, um anderen Platz zu schaffen. Ich will mein Leben bunt malen. Das Farbbild ergänzen. Was schon da ist weiterentwickeln, aber nicht ersetzen. Ich will mehr! Ich will grün und rot und schwarz und rosa. Alles zusammen. Ein buntes Kunstwerk, eine Collage. Ich will, muss mich nicht entscheiden. Kann mich in Vernunft üben, ohne mein Lächeln zu verlieren. Diszipliniert sein, aber nicht verbissen werden. Erwachsenendinge tun und dann trotzdem lauthals die Songs auf meiner Teenpop-Playlist mitsingen. Verantwortungsbewusst meine Einkäufe erledigen, aber dann doch lieber noch an den See fahren, als die Küche auf Vordermann zu bringen. Oder mich einfach auf die Couch schmeißen. Oder mit den Mädels um die Häuser ziehen. Ohne mir selbst durch „ich muss aber noch“-s die Freude an der Sache zu verderben. Völlig egal.
Ich bin jetzt neunzehn und bereits nächstes Jahr räumt die jugendliche Eins ihren Platz. Für die Zwei, die mehr Verantwortung mit sich bringt. Mit noch mehr Pflichten, noch mehr Entscheidungen, die getroffen werden müssen, geradewegs die Tür einbricht. Vielleicht bin ich schon ein bisschen erwachsen. Zumindest erwachsener. Und kein Teenager mehr. Aber doch trotzdem immer noch jugendlich. Und das ist gut so. Noch ein bisschen Peter Pan bleiben. Zumindest ein Teil von mir. Am liebsten für immer.

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Mantel von H&M (ähnlich hier)
Turtleneck Shirt von Reserved (ähnlich hier)
Jeans von Zara
Schuhe von Zara (ähnlich hier)
Tasche von Furla (ähnlich hier)
Uhr von Marc Jacobs
Ringe von H&M (ähnlich hier und hier)

2 Comments

  • Reply Patty 23. Oktober 2015 at 11:26

    Wunderschönes Outfit. Du siehst wirklich toll aus 🙂

    • Reply Joana Catarina 28. Oktober 2015 at 18:15

      Vielen lieben Dank, Patty! 🙂

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